Rita Oruovo

Her dreams are valid

Once, there was a girl called Joy Jomata, she was 13 years old and lived in a city called Kano in the northern part of Nigeria. Joy was a tall and skinny girl with long legs like an iroko tree. She was no ordinary girl because her hair was as dark as a coal and shining as a star. She was the tallest in her class. She was known for her good grades in school and her pleasure for reading books. Though, this was not common in the society Joy lived. It is not important for female children to go to school. She has been promised out to an old man where she would be his 8th wife. Nevertheless Joy still had dreams to become a lawyer someday and fight against the injustice women in her society had to face. She was known for her intelligence and her calmness. She was very respectful to her parents. One day when she was reading as usual in her room, her mother called for her attention.

Joy`s Mother: My Daugther, with whom i am well pleased and you have never dissapointed me.

Joy: Thank you Mami.

Joy´s Mother: Do you know why i called you?

Joy: No Mami

Joy`s Mother: It is time for me to explain what a woman should know when going to her husband`s house. I got married to your father when i was 14 years old and i met him for the first time on our wedding day. When we got married i was a virgin and he was the first and only man that ever saw me naked. You are now at the age of getting married and having your own children. You have to keep your virginity till your husband comes for you, if not, you will be stoned to death.

Joy: Ok Mami, but Mami, i would like to be a lawyer someday, would Mr. Musa allow me to finish my studies after marriage?

Joy`s Mother: Shut your Mouth! You going to school is not relevant, after primary 6 i dropped out of school i got married to your father and that same month i got pregnant with your brother. It is our Job to stay home and have children. There is no space in the world for women to dream. Please don`t let your father hear this or anyone else!

Joy in tears as she leaves her mother´s room with her head bend to the floor. Her world and dreams as been shattered by just one sentence „there is no space in the world for women to dream“.

(To Be continued….)

PS: “Mami” is yoruba language and means Mother.

 

 

Aleksandra Belozerova

Eine typische Geschichte einer Frau.

(Eine Stimme irgendwoher aus der Ferne)

„Nina! … Nina? Sind Sie noch da? … Nina!“

„Was? Ja… Alles hat mit einem Telefonanruf begonnen. Ich wurde von einer unbekannten Nummer angerufen. Ich war noch neu in Moskau und suchte nach Arbeit. Jeden Tag wurde es immer knapper mit dem Geld, deswegen bewarb ich mich überall, wo ich konnte. Bei jeder Bewerbung gab ich meine Handynummer an, um kontaktiert zu werden.“

(Nina schweigt und sieht abwesend aus.)

„War dieser Anruf wegen Ihrer Bewerbung? … Nina?“ – fragt die Sozialarbeiterin, als sie merkt, dass Nina wieder schweigt.

„Anruf? Ja, wegen meiner Bewerbung. Eine Freundin aus meinem Studentenwohnheim rief mich an. Sie sagte, sie wisse, wo eine Stelle frei geworden sei und nannte mir die Adresse. Als ich dorthin kam, sah ich eine Diskothek und sagte am Empfang, dass ich mich hier um Arbeit beworben habe. Wenig später wurde ich abgeholt, um mit dem Chef zu sprechen. Er saß in seinem Kabinett in einem Ledersessel und guckte mich aufmerksam an. Er stellte sich vor und zeigte auf einen Stuhl. Ich setzte mich hin und er fragte mich nach meiner Arbeitserfahrung, wann ich nach Moskau gekommen bin, wer meine Eltern sind und ähnliches.“

„Und haben Sie alle diese Fragen beantwortet?“

„Ja, der Chef schien ziemlich freundlich zu sein. Nach zehn Minuten sagte er, dass unser Gespräch beendet sei und sie sich bei mir melden werden. Zwei Tage später wurde ich gefragt, wann ich zur Probearbeit kommen kann. Mein erster Arbeitstag war am nächsten Freitag. In der Umkleide bekam ich Klamotten, die ich anziehen sollte. Eine knappe Jeansshorts, ein schmales schwarzes T-Shirt, Netzstrümpfe, Schuhe mit hohen Absätzen und ein breiter Gürtel für Flaschen und Shotgläser. Ich sollte als „Tequilagirl“ arbeiten…“ (Nina schweigt.)

„Ist an Ihrem ersten Arbeitstag etwas Besonderes passiert? Etwas Merkwürdiges?“ – fragt die Sozialarbeiterin leise.

„Nicht wirklich. Alles war sehr neu für mich. Es waren viele Menschen um mich herum. An diesem Abend habe ich auch Andrej kennengelernt. Er bestellte einen Tequila bei mir und wir sprachen kurz miteinander. Er war ziemlich nett und fragte nach meiner Nummer.“ – sagt Nina und starrt auf einen Punkt auf dem Boden.

„Wann haben Sie Andrej das nächste Mal gesehen?“

„Am Samstag rief er mich an und fragte, ob ich mit ihm essen gehen möchte. Bei mir war es noch sehr knapp mit dem Geld. Mein Regal im Kühlschrank war leer, seit mehreren Tagen aß ich nur Kartoffeln und Nudeln. Abends trafen wir uns in einem Restaurant. Ich bestellte nur einen Salat, obwohl ich sehr hungrig war. Es wäre mir peinlich gewesen, eine große Portion zu bestellen. Dann sind wir zu ihm gefahren… Hm…“ (Nina schweigt). „Ja, ab diesem Zeitpunkt waren wir dann zusammen.“

„Hat Andrej etwas von sich erzählt und wie wirkte er?“ – fragt die Sozialarbeiterin nachdenklich.

„Ganz sympathisch. Er trank nicht viel, war humorvoll. Alles war normal. Nur seine Augen – sie waren anders. Ich kann es nicht beschreiben. Sie waren so… schwarz… Als ob ich dort irgendwelche dunklen Schatten sehen konnte. Glauben Sie mir?“ – fragt Nina ängstlich und blickt auf die Frau.

„Ich glaube Ihnen. Erzählen Sie bitte, wie war Ihre Beziehung?“ – beruhigt die Sozialarbeiterin Nina.

„Unsere Beziehung war wunderbar. Wir gingen ins Kino und waren oft in der Stadt spazieren…  Moskau hat so schöne Parks! Ich habe solche Parks noch nie in meiner Heimatstadt gesehen. Ab und zu kaufte er Kleidung für mich, damit ich ´nicht wie vom Dorf aussehe´. Ich wohnte oft bei ihm, wir überlegten auch, ob ich nicht zu ihm ziehe. Er hat eine schöne Wohnung, sehr nah am Zentrum und an meiner Universität. Nach einer Woche habe ich seine Mutter kennengelernt… Andrej war nur von seiner Mutter erzogen worden, seinen Vater hatte er nie kennen gelernt. Seine Mutter freute sich, dass Andrej jetzt so ein gutes Mädchen als Freundin hatte. Sie war sehr nett zu mir und sagte, dass ich mich um Andrej gut kümmern sollte. Sie gab mir ein altes Kochbuch, damit ich ihm die gleichen Speisen wie sie kochen konnte. Ich koche sehr gut. Zumindest sagen das meine vier Geschwister.“ (Ninas Gesicht wird heller und sie lächelt.) „Ich bin die älteste und kochte für die ganze Familie, wenn Mama ihre Spätschichten im Krankenhaus hatte. Wie aus meiner Familie gewöhnt, räumte ich in Andrejs Wohnung alles auf, bügelte seine Hemden, spülte Geschirr und machte alles, was im Haushalt anfiel. Andrej meinte, das alles sind Frauenaufgaben und keine Männersachen… `Es ist nicht meine Schuld, dass du eine Frau bist`, sagte er zu mir.“ – Nina atmet tief aus und schaut die Sozialarbeiterin an.

„Können Sie uns etwas näher erzählen, was mit Ihnen passierte und was Sie zu uns führte?

„Als das Semester anfing, musste ich viel lernen und konnte nicht so oft bei ihm sein. Ich verbrachte viel Zeit an der Uni oder im Studentenwohnheim. Nach einigen Monaten fragte mich Andrej, wo ich ständig bin. Ich wunderte mich, weil ich mich die ganze Zeit auf die Vorlesungen vorbereitete oder arbeitete. Andrej glaubte mir nicht und war überzeugt, dass ich fremd gehe. Er wollte, dass ich nicht mehr arbeite und sagte, er kann mir das Geld für mein Studium geben. Ich kündigte. Einige Zeit war er zufrieden. Nach einigen Wochen warf er mir wieder vor, dass ich fremdgehe. Dann schlug er mich zum ersten Mal…“ – sagt Nina leise.

„Wie verhielt er sich danach?“

„Nach einer Stunde entschuldigte er sich und versprach mir, dass es nie wieder vorkommt, und dass er mich liebt. Ich glaubte ihm. Nach einer Woche passierte das gleiche… Und wieder. Und wieder… Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich meine, alle leben so, es ist auch irgendwie normal. Ich wurde nicht schwer verletzt und erzählte keinem davon. Eines Tages kam ich in mein Zimmer im Studentenwohnheim und zog mich um. Meine Mitbewohnerin sah meine blauen Flecken und fragte, ob mit mir alles in Ordnung sei. In diesem Moment brach ich zusammen und fing an zu weinen. Ich erzählte ihr alles. Ich erzählte ihr, dass wir zusammen sind, dass er mich liebt, dass es aber trotzdem passiert… Dass ich kein Geld habe und er für mich sorgt. Sie hörte mir zu und überredete mich, mit ihm Schluss zu machen. Zuerst war ich schockiert. Es fiel mir schwer, zu hören, was sie sagte, aber irgendwo tief in mir dachte ich dasselbe.“

„Haben Sie sich wieder getroffen, um sich zu trennen?“

„Nein. Ich konnte ihn nicht wiedersehen. Ich wusste, wenn ich ihn wiedersehe, werde ich nicht Schluss mit ihm machen können. Ich rief ihn an und sagte, dass ich mich von ihm trennen möchte. Als er das hörte, dachte er zuerst, es sei ein Scherz. Als er verstand, dass ich es ernst meine… Er wurde wütend. Er schrie in das Telefon und drohte mir, dass er weiß, wo ich wohne. Seine Wut hatte kein Ende… Ich fing an zu weinen und legte auf. Er rief mich wieder an… Mehrmals. Irgendwann schaltete ich mein Handy aus. Diese Nacht konnte ich schlecht schlafen. Als ich aufwachte, schaltete ich mein Telefon wieder an und sah 168 verpasste Anrufe von ihm.“ – erzählt Nina und kratzt ihre linke Hand, sodass sie rot wird.

„Wann hat Andrej das nächste Mal angerufen?“ – fragt die Sozialarbeiterin.

„Einige Minuten nachdem ich aufgewacht war.. Er entschuldigte sich für sein Verhalten und klang ganz ruhig. Als ich mich weigerte, mich mit ihm zu treffen, wurde er wieder wütend. Er drohte mir … Ich kann es nicht erzählen. Dann holte ich meine SIM-Karte raus und warf sie in die Mülltonne. Zwei Tage später rief er mich auf meiner neuen Nummer an. Meine Mitbewohnerin ging ran und sagte zu Andrej, er solle mich in Ruhe lassen. Er sagte, dass sie sich nicht einmischen solle und schrie etwas, bis sie auflegte. Das gleiche passierte mit allen meinen Handynummern. Ich weiß weder, wo er sie her kriegt, noch von wem... Ich sehe oft sein Auto vor meinem Wohnheim stehen – dann gehe ich nicht raus. Einmal, als wir noch zusammen waren, habe ich eine Pistole in seinem Auto gesehen. Sie lag zwischen den Papieren in der Ablage. Er merkte nicht, dass ich sie gesehen hatte und ich sagte ihm nichts davon.“

„Wie oft sehen Sie ihn?“

(Nina nickt:)

„Jeden Tag. Ich gehe nicht raus, wenn ich sein Auto draußen sehe. Ansonsten gehe ich mit einer Gruppe von Studierenden raus und stelle mich in die Mitte, sodass ich nicht zu sehen bin. Ich versuche bis spät abends in der Uni zu bleiben oder bei meiner neuen Arbeit – ich arbeite jetzt in einem Café. Vorgestern sah ich ihn in meinem Café. Ich bin durch den Mitarbeiterausgang geflüchtet, habe ein Taxi genommen und bin direkt zum Studentenwohnheim gefahren.“

„Waren Sie bei der Polizei?“ – fragt die Frau und wirkt besorgt.

„Ja. Sie sagen, sie können mir nicht helfen. Es ist noch nichts passiert.“