Lehrreflexionen Seminar "Schreiben" /
Reflexion zur letzten Sitzung am 20.7.2016

Ich war jetzt zwei Wochen nicht da. Eine Sitzung hatte ich ausfallen lassen (mit der Ansage, sie zum Schreiben des Exposes zu nutzen) und in der nächsten Woche hatte meine Kollegin Anja vom Schreibzentrum eine Feedback-Konferenz zu den Rohfassungen der Exposes angeleitet.

In der letzten Sitzung haben wir uns ganz der Auswertung gewidmet. Ich hatte die Evaluationsergebnisse der Kuwi-Fakultät schon bekommen, wollte aber gerne noch genauer auf verschiedene Aspekte des Seminars eingehen. Zu Beginn sollten die TN nochmal ihre eigenen Lernziele für das Seminar rekapitulieren, außerdem verteilte ich einen Ausdruck mit den Lernzielen, die ich mir vorab überlegt hatte. Dazu sollten die TN zunächst reflektieren (schriftlich oder als Cluster) und sich dann zu zweit austauschen und die wichtigsten Aspekte auf Karten notieren. Dabei unterschieden wir Lernergebnisse in Bezug auf die Lesekompetenz (die ja die ganze Zeit mit entwickelt werden sollte) und in Bezug auf die Fachinhalte (also Schreibwissenschaft). Im nächsten Schritt reflektierten alle schriftlich zu ihrem aktuellen Schreibprozess, denn die Exposes sind ja noch nicht fertig, sind aber quasi das Endergebnis des Seminars. Auch dazu tauschten sich die TN paarweise aus und notierten Aspekte dazu auf Moderationskarten. Ich extrahierte derweil die wichtigsten Evaluationsergebnisse auf weitere Karten.

Im nächsten Schritt pinnten wir nacheinander die Karten zu den verschiedenen Kategorien an eine Pinnwand, so dass wir ein Gesamtergebnis des Seminars bekamen.

Abschließend stellte ich noch zwei neu erschienene Fachbücher vor, die zum Seminarthema passten, und bat nochmal um eine allerletzte Evaluation, da unsere Seminargruppe Kontrollgruppe für die Evaluation der Writing Fellows Seminare war. Und dann war das Seminar schon um -- verrückt!

Ich fand den Ablauf gelungen, weil alle aktiv eingebunden waren und ich einen guten Einblick bekommen habe in die Einschätzungen der Teilnehmenden. Ich fand es auch gut, die Evaluation, die schon im Kuwi-Bogen gemacht worden war, nicht einfach nochmal zu wiederholen.

Die Gesamtbewertung des Seminars ist sehr positiv, das freut mich natürlich. Schwachpunkte gab es lediglich etwas in der Diskussionsmoderation meinerseits, was ich ja selbst auch gemerkt hatte, sowie in der Zusammenführung von Inhalten. Auch das hatte ich selbst als Schwachpunkt gesehen. Insgesamt war das aber auch nur etwas schlechter als die anderen Bewertungen, aber immernoch gut. Es wurde außerdem nochmal deutlich, dass die Leistungsanforderungen sehr hoch waren, wobei mittlerweile keine mehr meinte "zu" hoch. Ich fand es interessant, dass alle im Nachhinein fanden es sei gut gewesen, zur kontinuierlichen Textarbeit gezwungen worden zu sein.

Und was würde ich beim nächsten Mal anders machen?

Zunächst kann ich sagen, dass ich gelernt habe, dass es nicht weit führt einfach zu sagen "diskutiert mal". Ich würde also auch beim nächsten Mal wieder viel mit Kleingruppen und verschiedenen Methoden arbeiten. Es wurde auch gelobt, dass das Seminar abwechslungsreich war. Das habe ich selbst auch so empfunden, z.B. dass wir auch mal gebastelt haben oder Stationen lernen gemacht haben. Im Grunde hat mich das Seminar also in allen meinen hochschuldidaktischen Ansätzen bestärkt und es war eine gute Erfahrung.

Ändern würde ich, dass ich die Lesetechniken besser auf die Texte abstimmen würde. Also komplexe Techniken eher bei leichteren Texten und umgekehrt leichte Techniken für schwere Texte, damit sich das ein bisschen ausgleicht.

Ich würde außerdem NOCH explizierter auf den Arbeitsaufwand hinweisen und vielleicht in einer der ersten Sitzungen mit den Teilnehmenden überlegen, an welchen Stellen das in ihren Stundenplan passt.

Meine Idee, die Lesetechniken vielleicht nur als "Baukasten" zusammen zu stellen, fanden die TN nicht so gut. Sie schätzten es, dass sie alle die gleichen Techniken zeitgleich ausprobieren mussten und sich dann darüber austauschen konnten.

Ich würde außerdem mit einem grundsätzlichen "Lesetraining" zu Beginn starten. Dazu habe ich bei einer Konferenz vor kurzem einen interessanten Workshop bei Friederike Neumann von der Uni Bielefeld mitgemacht. Der wäre eine gute Basis für alle folgenden Techniken.

Insgesamt hat mir das Seminar sehr viel Spaß gemacht, auch oder gerade weil ich am Anfang verunsichert war. Es ist schön, dass ich als Lehrende in Deutschland diese Freiheit habe, zu experimentieren!