Lehrreflexionen Seminar "Schreiben"

Reflexion zur letzten Sitzung am 20.7.2016

Ich war jetzt zwei Wochen nicht da. Eine Sitzung hatte ich ausfallen lassen (mit der Ansage, sie zum Schreiben des Exposes zu nutzen) und in der nächsten Woche hatte meine Kollegin Anja vom Schreibzentrum eine Feedback-Konferenz zu den Rohfassungen der Exposes angeleitet.

In der letzten Sitzung haben wir uns ganz der Auswertung gewidmet. Ich hatte die Evaluationsergebnisse der Kuwi-Fakultät schon bekommen, wollte aber gerne noch genauer auf verschiedene Aspekte des Seminars eingehen. Zu Beginn sollten die TN nochmal ihre eigenen Lernziele für das Seminar rekapitulieren, außerdem verteilte ich einen Ausdruck mit den Lernzielen, die ich mir vorab überlegt hatte. Dazu sollten die TN zunächst reflektieren (schriftlich oder als Cluster) und sich dann zu zweit austauschen und die wichtigsten Aspekte auf Karten notieren. Dabei unterschieden wir Lernergebnisse in Bezug auf die Lesekompetenz (die ja die ganze Zeit mit entwickelt werden sollte) und in Bezug auf die Fachinhalte (also Schreibwissenschaft). Im nächsten Schritt reflektierten alle schriftlich zu ihrem aktuellen Schreibprozess, denn die Exposes sind ja noch nicht fertig, sind aber quasi das Endergebnis des Seminars. Auch dazu tauschten sich die TN paarweise aus und notierten Aspekte dazu auf Moderationskarten. Ich extrahierte derweil die wichtigsten Evaluationsergebnisse auf weitere Karten.

Im nächsten Schritt pinnten wir nacheinander die Karten zu den verschiedenen Kategorien an eine Pinnwand, so dass wir ein Gesamtergebnis des Seminars bekamen.

Abschließend stellte ich noch zwei neu erschienene Fachbücher vor, die zum Seminarthema passten, und bat nochmal um eine allerletzte Evaluation, da unsere Seminargruppe Kontrollgruppe für die Evaluation der Writing Fellows Seminare war. Und dann war das Seminar schon um -- verrückt!

Ich fand den Ablauf gelungen, weil alle aktiv eingebunden waren und ich einen guten Einblick bekommen habe in die Einschätzungen der Teilnehmenden. Ich fand es auch gut, die Evaluation, die schon im Kuwi-Bogen gemacht worden war, nicht einfach nochmal zu wiederholen.

Die Gesamtbewertung des Seminars ist sehr positiv, das freut mich natürlich. Schwachpunkte gab es lediglich etwas in der Diskussionsmoderation meinerseits, was ich ja selbst auch gemerkt hatte, sowie in der Zusammenführung von Inhalten. Auch das hatte ich selbst als Schwachpunkt gesehen. Insgesamt war das aber auch nur etwas schlechter als die anderen Bewertungen, aber immernoch gut. Es wurde außerdem nochmal deutlich, dass die Leistungsanforderungen sehr hoch waren, wobei mittlerweile keine mehr meinte "zu" hoch. Ich fand es interessant, dass alle im Nachhinein fanden es sei gut gewesen, zur kontinuierlichen Textarbeit gezwungen worden zu sein.

Und was würde ich beim nächsten Mal anders machen?

Zunächst kann ich sagen, dass ich gelernt habe, dass es nicht weit führt einfach zu sagen "diskutiert mal". Ich würde also auch beim nächsten Mal wieder viel mit Kleingruppen und verschiedenen Methoden arbeiten. Es wurde auch gelobt, dass das Seminar abwechslungsreich war. Das habe ich selbst auch so empfunden, z.B. dass wir auch mal gebastelt haben oder Stationen lernen gemacht haben. Im Grunde hat mich das Seminar also in allen meinen hochschuldidaktischen Ansätzen bestärkt und es war eine gute Erfahrung.

Ändern würde ich, dass ich die Lesetechniken besser auf die Texte abstimmen würde. Also komplexe Techniken eher bei leichteren Texten und umgekehrt leichte Techniken für schwere Texte, damit sich das ein bisschen ausgleicht.

Ich würde außerdem NOCH explizierter auf den Arbeitsaufwand hinweisen und vielleicht in einer der ersten Sitzungen mit den Teilnehmenden überlegen, an welchen Stellen das in ihren Stundenplan passt.

Meine Idee, die Lesetechniken vielleicht nur als "Baukasten" zusammen zu stellen, fanden die TN nicht so gut. Sie schätzten es, dass sie alle die gleichen Techniken zeitgleich ausprobieren mussten und sich dann darüber austauschen konnten.

Ich würde außerdem mit einem grundsätzlichen "Lesetraining" zu Beginn starten. Dazu habe ich bei einer Konferenz vor kurzem einen interessanten Workshop bei Friederike Neumann von der Uni Bielefeld mitgemacht. Der wäre eine gute Basis für alle folgenden Techniken.

Insgesamt hat mir das Seminar sehr viel Spaß gemacht, auch oder gerade weil ich am Anfang verunsichert war. Es ist schön, dass ich als Lehrende in Deutschland diese Freiheit habe, zu experimentieren!

Reflexion zur 12. Sitzung am 29.6.2016

Diesmal schreibe ich mit großem Abstand, ich bin einfach nicht dazu gekommen. Aber wie das so ist: mit Abstand nimmt auch die detaillierte Erinnerung an die Sitzung ab.Daher hier nur knapp:

Wir haben zunächst wie geplant die Schreibgespräche zu den einzelnen Texten durchgeführt. Ich hatte zu jedem Text ein Flipchart-Papier mit dem Titel des Textes in der MItte beschriftet. Wir gingen dann alle zwischen den Plakaten hin und her und schrieben Assoziationen und Gedanken zu den Texten auf. Es gab außerdem noch zwei freie Plakate für Fragen und Ideen. Das Ziel war es, die Texte wieder in Erinnerung zu rufen und durch die Schreibgespräche auch zu sehen, was es für Verbindungen zwischen den Texten gibt. Ich weiß nicht, ob die TN die Methode ergiebig fanden, ich habe mir dazu kein Feedback geholt. Es hätte vielleicht tiefer gehen können, aber die Methode an sich hat mir Spaß gemacht. Es war gut, dass ich die Texte jeweils auch zu den Postern gelegt hatte, so dass man nochmal reinschauen konnte.

Anschließend haben wir ein Freewriting dazu gemacht, was jede interessiert und worüber man eine Hausarbeit schreiben könnte. Auf dieser Basis haben dann alle mit der Methode "Dreischritt" (Handout des Schreibzentrums) versucht, ein Thema zu finden und einzugrenzen. Diese haben dann alle vorgelesen und ich habe versucht, zu kommentieren, ob mir das machbar erscheint. Viele Ideen waren ähnlich und drehten sich um die Frage, wie Schreiben in der Studieneingangsphase vermittelt werden kann.

Abschließend sind war das Handout zum Expose durchgegangen, auf dem ich meine Erwartungen und Bewertungskriterien festgehalten habe.

Insgesamt war die Zeit knapp, dennoch hatte ich das Gefühl, dass wir viel geschafft haben. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob es uns wirklich gelungen ist, Verbindungen zwischen den verschiedenen gelesenen Texten abschließend nochmal herzustellen. Aber vielleicht gelingt es den einzelnen TN dann in den Exposes (hoffe ich).

Letzte Woche war dann keine Sitzung, da ich nicht da war und es mir passend schien, den TN die Zeit zum Schreiben zu geben.

Diese Woche bin ich leider auch nicht da, aber meine Kollegin wird eine Feedbackkonferenz zu den Exposes anleiten.

11. Sitzung am 22.6.2016

Ich komme diese Woche nicht dazu, ausführlich zu reflektieren. Die Sitzung verlief nach Plan und ich bin sehr erstaunt, dass wir damit mit den Texten und dem Leseteil des Seminars durch sind. Und: Ich habe zum ersten Mal was an der Tafel visualisiert -- Premiere!

10. Sitzung am 15.6.2016

Vorab: Es fällt mir schwer zu glauben, dass das Seminar schon zu Zweidritteln um ist! Plötzlich ging es doch sehr schnell.

Ich habe in dieser Sitzung zunächst um ein kurzes schriftliches Zwischenfeedback gebeten, dann eine kurze Rückschau auf die letzte Sitzung gemacht (die ja ohne mich lief) und dann die Lesetechnik besprochen. Anschließend wurde in Kleingruppen diskutiert zum aktuellen Text und dann im Plenum auch nochmal.

Das Zwischenfeedback wollte ich eigentlich schon früher machen, aber irgendwie war nie Zeit dafür. Ich habe beim Lesen der Rückmeldungen aber gemerkt, dass die Teilnehmenden ganz zufrieden sind und keine grundlegenden Änderungen wünschen, so dass es vielleicht nicht so schlimm ist, dass das erst jetzt kommt. Die Rückmeldungen bestätigen meine Eindrücke: Das wöchentliche Pensum ist vergleichsweise hoch und intensiv. Allerdings schreiben die meisten, dass sie den Sinn sehen und viel gelernt haben. Geschätzt wird der gute Austausch im Seminar, die praktische Anwendung und von vielen wird auch die gute Atmosphäre erwähnt. Zu den Gruppendiskussionen gab es die Rückmeldung, dass diese manchmal nicht ganz so fokussiert waren und eine TN hat gar nicht verstanden, warum wir nicht gleich im Plenum diskutieren. Für die nächsten Wochen wird eine Zusammenfassung des bisher Gelernten, praktische Unterstützung bei der Umsetzung des Exposes und Bekanntgabe von Bewertungskriterien gewünscht. Das entspricht in allen drei Punkten genau dem, was ich vorhabe, so dass ich mich auf die nächsten Sitzungen freuen kann.

Den Austausch zu den Lesetechniken hatte ich dieses Mal mit einem Stimmungsbild per Daumen abgeschlossen (Daumen hoch, runter oder neutral) und jeweils eine Vertreterin der Meinung um ein kurzes Statement gebeten. Die Methode hat gut funktioniert.

Die Diskussion über die letzte Sitzung (die gut angekommen ist) hat etwas länger gedauert als geplant. Bei der Gruppenarbeit hatte ich dann den Eindruck, dass ich zu lange dafür eingeplant hatte (30 Minuten) und wir eher wieder ins Plenum hätten gehen sollen. Das nehme ich mit und werde beim nächsten Mal anders gewichten. Es ist interessant, dass die Seminargruppe anscheinend jetzt so weit ist, dass auch im Plenum gerne und viel diskutiert wird. Das war ja lange Zeit nicht so. Daher ist es logisch, den Anteil an Gruppenarbeit zurückzufahren.

Kurzer Eindruck zur autonomen 9. Sitzung am 8.6.16

Diese Sitzung hatte ich vorbereitet und Laura, eine Peer-Tutorin, hat sie für mich organisiert. Die Studierenden haben Zuhause einen Text gelesen, der sich mit verschiedenen Schreibstrategien beschäftigt. Ich hatte sie gebeten, dazu zu reflektieren, welche Strategien ihnen bekannt und welche fremd sind -- das Lesen des Fachtextes sollte also mit eigenen Erfahrungen zusammen gebracht werden. In der Sitzung sollten sie dann an verschiedenen Lernstationen arbeiten, die jeweils einer der im Text besprochenen Strategien entsprechen. Dieses Material habe ich vor Jahren im Rahmen meiner Dissertation entwickelt und es auch schön aufbereitet, mit bunten laminierten Blättern usw. Die Teilnehmenden sollten mit einer ihnen fremden Herangehensweise anfangen und dann ggf. auch weitere ausprobieren und sich abschließend darüber austauschen.

Laura hat mir zurück gemeldet, dass es gut gelaufen sei und dass sie die Gruppe toll fand und alle gut mitgemacht hätten. Außerdem hat sie das Material gelobt. Die Eindrücke der Teilnehmenden werde ich dann diese Woche erfahren.

Reflexion zur 8. Sitzung am 01.06.2016

In dieser Sitzung wollte ich gleich zwei Texte besprechen und hatte deshalb auch eine Aufgabe gegeben, bei der beide Texte bearbeitet werden mussten (analytisch-vergleichendes Lesen). In beiden Texten ging es um die Bestandteile von Schreibkompetenz. Auf der Suche nach einer aktivierenden Methode ist mir aufgefallen, wie kurz und dürftig der Wikipedia-Artikel zum Thema Schreibkompetenz ist und hielt es für eine gute Idee, die TN in zwei Gruppen Ergänzungen schreiben zu lassen --jeweils auf der Basis eines der Artikel.

Begonnen habe ich die Sitzung jedoch damit, die Kontexte des Lesens jenseits der Lesetechniken nochmal sammeln zu lassen, mit dem Hintergedanken, dabei nochmal ins Bewusstsein zu rufen, dass sich die Texte nicht nebenbei lesen lassen, sondern z.B. auch Zeit- und Raumrahmen stimmen müssen. Es folgte ein Austausch zur Lesetechnik, dann die geplante Gruppenarbeit und am Ende ein Zusammentragen der Ergebnisse und eine kurze Diskussion zu zwei Fragen, die die Gruppen jeweils vorbereitet hatten.

Reflexion

In dieser Sitzung ist mir besonders deutlich aufgefallen, wie stark auch Lehre von der persönlichen Tagesform und vom persönlichen Kontext der Lehrenden abhängen. Ich war körperlich leider gar nicht fit (Kopf- und Bauchschmerzen) und stand deshalb etwas neben mir, außerdem hatte es im ZSFL ein paar unerwartete Ereignisse gegeben, die mir vor der Sitzung noch schnelle Reaktionen abverlangten, so dass ich mich mental gar nicht mehr darauf einstellen konnte, dass gleich Seminar ist, sondern nur noch schnell meine Sachen schnappte und losrannte. Mein Exkurs zu den Kontextbedingungen des Lesens war daher völlig ungeplant und entstand spontan aus dem Bedürfnis heraus, die z.T. wieder nicht gemachten Aufgaben zu thematisieren, ohne wieder in die Grundsatzdiskussion vom letzten Mal reinzugeraten. Es war aber glaube ich zu merken, dass das nicht durchdacht war und ich habe mich irgendwie auch in der Defensive gefühlt.

Zur Lesetechnik kam die Rückmeldung, dass sie als sehr aufwendig erlebt wurde, wobei einige in den Portfolios auch geschrieben hatten bzw. sagten, dass es sehr hilfreich für sie war und sie die Technik weiter verwenden werden. Für mich gab das den Anstoß mir zu notieren, dass ich, falls ich so ein Seminar nochmal mache, am Anfang noch VIEL deutlicher machen muss, dass die Studierenden mit viel Zeitaufwand rechnen müssen. Ich habe mich auch gefragt, ob ich beim nächsten Mal vielleicht eher eine Art "Baukasten" mit Lesetechniken zur Verfügung stellen würde, bei denen jeweils auch eine Einschätzung der Zeit mit dabei ist, und es in der Verantwortung der Studierenden lasse, wann sie welche Technik erproben, solange sie jede einmal machen. Aber das wäre dann eher noch mehr Eigenverantwortung als das Vorbereiten zu jeder Sitzung jetzt schon ist und ich frage mich, ob das funktionieren würde. Ich hätte aber Lust, es zu probieren.

Die Gruppenarbeit hat gut funktioniert aus meiner Sicht. Allerdings habe ich diesmal nicht selbst mit gemacht, da ich mich nicht so fit gefühlt habe. Das habe ich nicht gesagt und ich frage mich, ob ich das hätte tun sollen oder ob das eher seltsam gewesen wäre. Ich habe die Zeit genutzt, um mir den geplanten weiteren Seminarverlauf in den nächsten Wochen nochmal kritisch anzuschauen. Die Zeit war auch diesmal zu knapp bemessen, aber ich hatte vorher schon 10 Minuten rausgeholt durch kürzere Diskussion der Leseaufgabe, so dass es nicht so schlimm war. Die Wikipediatexte werden wir jetzt auf Mahara noch posten und evtl. feedbacken (wenn das jemand macht), dann werde ich sie auf Wikipedia einfügen, so dass wir der Welt noch was Gutes getan haben :-)

Die Diskussion der Fragen verlief auch gut. Es hat sich wirklich bewährt, die Gruppe selbst Fragen entwickeln zu lassen, denn diese bringen auch mich zum Nachdenken.

Beim nächsten Mal werde ich nicht selbst vor Ort sein, aber eine Tutorin wird der Gruppe die Aufgabenstellung übermitteln. Zwei Sitzungen auf einmal vorbereiten zu müssen ist auch anstrengend, habe ich gemerkt. Wahrscheinlich würde ich in Zukunft eher mal Fünfe gerade sein lassen und ein bis zwei Sitzungen ausfallen lassen, falls es aus guten Gründen meinerseits sein muss.

 

Reflexion zur 7. Sitzung, 25.5.2016

 

Das war eine interessante Sitzung heute für mich. Laut Ablaufplan wollte ich zunächst die Gruppenarbeit aus der letzten Woche beenden, dann in Kleingruppen die Lesetechnik „Dialog mit dem Autor“ auswerten und dann den nächsten Text besprechen, wofür eine weitere Kleingruppe (nämlich aus denen bestehend, die in der letzten Woche gefehlt hatten), Fragen vorbereiten sollte. Heute Morgen habe ich dann aber festgestellt, dass nur eine Teilnehmerin pünktlich ihren Dialog bei Mahara gepostet hatte. Das hat mich sehr irritiert und ich habe mich gefragt, warum alle anderen TN das nicht gemacht hatten.

Im Zug habe ich dann neben einer Kollegin gesessen, die mir erzählte, dass sie gerade ein massives Problem damit hat, dass ihre Studierenden die wöchentlichen Aufgaben nicht oder verspätet machen, obwohl sie zu Beginn des Seminars ausdrücklich gesagt hat, dass die Voraussetzung ist und sie die Sitzungen darauf aufbaut. Sie war sehr frustriert und mich hat das sehr nachdenklich gemacht, da ich diese Kollegin eigentlich als begeisterte und äußerst engagierte Lehrende kenne. Im Vergleich zu dem, was sie erzählte, hatte ich von meiner Seminargruppe noch einen recht guten Eindruck. Zwar machen nicht alle immer alles pünktlich, aber insgesamt läuft es ja – außer heute. Wir überlegten gemeinsam, dass wir gerne mal eine Runde zum Austausch über Lehre an der Kuwi-Fakultät initiieren würden, bei der auch Studierende dabei sind, damit beide Seiten einander besser verstehen können.

In meiner Sitzung habe ich dann damit angefangen, dass ich gefragt habe, woran es denn lag, dass die Aufgaben nicht gepostet wurden. Da wir wieder nur eine kleine Runde waren (7 TN waren anwesend), fühlten sich offenbar alle einzeln angesprochen und jede erklärte mir, was dazwischen gekommen war. Das hatte ich gar nicht so intendiert, war aber OK. Es führte dazu, dass ich die Gründe verstehen konnte. Ich habe dann auch nochmal erklärt, warum es für mich wichtig ist, dass die Texte pünktlich hochgeladen werden, da ich mein Zeitmanagement darauf ausgerichtet habe, die Texte mittwochs morgens zu lesen. Ich hatte den Eindruck, dass durch diesen Einstieg ein gutes Klima entstanden ist und alle bereit waren, sich auf die Sitzung einzulassen.

Was ich auch noch gemacht hatte war, dass ich die Tische ganz zusammen geschoben hatte. Da ich schon wusste, dass mind. 3 TN nicht kommen würden, wollte ich verhindern, dass wir alle so weit auseinander sitzen. So saßen wir an einer langen Tafel zusammen und das hat viel mehr eine Gesprächsatmosphäre bestärkt als die übliche U-Form. Für die TN bedeutete das, dass sich keine verstecken konnte.

Die Kleingruppenarbeit hat dann ganz gut funktioniert, aber auch länger gedauert als geplant. Da ich ja selbst TN einer Kleingruppe war, ist mir aufgefallen, dass meine Arbeitsaufträge nicht klar genug waren (zumindest in dieser Sitzung, in der davor lagen sie ja schriftlich vor, aber das hatten nicht mehr alle parat). Wir sind dann beim Zusammentragen der Ergebnisse bereits in eine lebhafte Diskussion gekommen, so, wie ich mir das ursprünglich für dieses Seminar erhofft hatte. Es lief ohne Melden und entwickelte sich immer weiter. Wir kamen allerdings auch ziemlich vom Thema ab. Aus der Diskussion der Textinhalte wurde eine Diskussion zur Studiensituation allgemein. Wahrscheinlich lag es auch daran, wie ich die Sitzung begonnen hatte. Jedenfalls gab es einen enorm hohen Redebedarf über Studienorganisation, Leistungsnachweise, den Sinn (und Unsinn) von Hausarbeiten, Lesepensen, Erwartungen Lehrender, Schlüsselkompetenzen und noch mehr in der Richtung. Ich fand das – gerade im Kontext der Diskussion mit meiner Kollegin im Zug – sehr interessant und habe es deshalb auch eine ganze Weile einfach laufen lassen. Am Ende habe ich es aber geschafft, doch wieder zum Text zurück zu lenken.

Das Vorlesen der Dialoge mit dem Autor in Kleingruppe erwies sich dann als schwierig, weil wir nur 2 Dialoge vorliegen hatten (plus meinem eigenen). Schließlich meinte eine TN, wir könnten das doch jetzt in der Großgruppe besprechen statt in Kleingruppen. Das war eine gute Idee und hat gut funktioniert. Am Ende hatten wir leider nur noch eine Viertelstunde, um den zweiten Text zu besprechen. Wir redeten gerade Mal über 2 der vielen Fragen, die die Kleingruppe vorbereitet hatte. Aber das reichte, um den Text kritisch zu betrachten und da der Text sehr auf den vorigen aufbaute, hätten sich die Diskussionen sonst vermutlich auch sehr geähnelt.

Die Methode, die Diskussion durch die Studierenden selbst vorbereiten zu lassen hat sich bewährt, und auch mein Hinweis, sie nach Stellen oder Aussagen suchen zu lassen, die sie kritisierenswert finden.

Für die Hausaufgabe habe ich diesmal gleich dazu gesagt, dass die TN sich nicht stressen sollen. Denn diesmal sind sogar zwei Texte vorzubereiten. Ich habe ihnen gesagt, dass es OK ist wenn in der vergleichenden Tabelle, die sie dazu machen sollen, nur zwei Zeilen sind.

Insgesamt bin ich aus mehreren Gründen heute sehr zufrieden. Zum einen, weil die Diskussion so lebendig war. Zum zweiten, weil wir über den Rahmen des Seminars reden konnten, ohne dass ich anfangen musste, mit Noten zu drohen. Und drittens, weil ich mich heute sehr als Mitlernende gefühlt habe, da ich viel aus einer anderen Perspektive über das Kuwi-Studium erfahren habe. Ich hoffe, dass ich das in der nächsten Sitzung wieder hinkriege.

Reflexion zur 6. Sitzung am 18.5.2016

Heute ging es um einen Text von Carl Bereiter zur Schreibkompetenzentwicklung. Auch dieser Text erschien mir zunächst leicht zugänglich und wenig Diskussionspotenzial zu bieten. Deshalb hatte ich mir wieder Gruppenarbeit überlegt (siehe Ablaufplan). Zuerst aber besprachen wir wieder zu zweit und dann im Plenum die Lesetechniken, die erprobt worden waren. Diesmal waren das MindMaps und ConceptMaps. Die Teams teilten sich danach auf, wer welche Technik ausprobiert hatte. Die Diskussion ergab, dass beide Techniken als recht ähnlich erlebt wurden und dass es auch hier wieder, wie bei den vorigen Techniken, auf die Kunst ankam, gut eingegrenzte Fragen an den Text zu stellen bzw. bewusst einzugrenzen, was man festhalten möchte.

Für die Gruppenarbeit wollte ich eigentlich Zweier-Dreier-Teams haben, die jeweils eine der Kompetenzstufen noch einmal genauer betrachten und dann wie beim Gruppenpuzzle stufenübergreifend zu überlegen, inwiefern sich die Stufen wirklich hierarchisch aufbauen und welche Strategien sich daraus für die Schreibdidaktik ableiten ließen. Allerdings war die Gruppenarbeit heute recht chaotisch. So waren wir insgesamt (mit mir) nur 8 Leute, daher musste ein Team zwei Kompetenzstufen bearbeiten. Beim Abzählen zum Gruppeneinteilen sorgte das für Chaos, weil so Team 3 Stufe 4 bearbeitete, Team 4 Stufe 5 usw. Dann teilte ich auch noch die falschen Aufgaben aus (zuerst die für Phase 2 statt für Phase 1), und dann hatte ich auch noch die Zeit nicht gut im Blick und am Ende konnten wir die Ergebnisse nicht mehr zusammen tragen. Wir haben beschlossen, das auf das nächste Mal zu verlegen.

Trotz meiner chaotischen Moderation fand ich es aber inhaltlich heute gut. Ich habe ja bei den Gruppenarbeiten mitgemacht und daher viel mehr mitbekommen, als wenn ich nur hinterher die Ergebnisse gesammelt hätte. Tatsächlich hatten die Teams auch kritische Anmerkungen an die Textpassagen gefunden und der Praxistransfer funktionierte auch. Wir sind m.E. viel tiefer in den Text gegangen, als das bei einer Gesamtdiskussion der Fall gewesen wäre. Es hat anscheinend ganz gut geklappt, explizit nach Stellen suchen zu lassen, wo man dem Autor widersprechen könnte. Das würde ich wieder so machen. Und Beispiele aus dem eigenen Alltag zu suchen scheint auch gut zu sein.

Mein Teilnehmen an der Gruppenarbeit war für mich persönlich schön, weil ich mich selbst an der inhaltlichen Arbeit beteiligen konnte und erfahren habe, dass tatsächlich eine Auseinandersetzung statt fand. Allerdings fällt es mir schwer, nicht die Moderationsrolle zu übernehmen wenn ich in einer Kleingruppe bin. Fraglich ist natürlich auch, wie die TN das finden, wenn sie mit mir zusammen arbeiten sollen, aber darauf kann ich keine Rücksicht nehmen :-)

Ich denke ich werde auch in den zukünftigen Sitzungen auf Gruppenarbeit setzen und konkrete Fragen vorbereiten.

Was mir auch Spaß macht, ist die Lesetechniken selbst auszuprobieren.

Reflexion zur 5. Sitzung am 11.5.

Wie geplant und mittlerweile auch schon traditionell, haben wir zunächst mit der Auswertung der Lesetechnik zu zweit begonnen. Die TN hatten ihre zum Text angefertigten Landkarten mitgebracht. Ich hatte erst keine Partnerin, aber dann kam eine TN zu spät und wir haben uns ausgetauscht. Beim Sammeln in der Runde fiel mir auf, dass alle die Aufgabe recht unterschiedlich gelöst hatten. Es gab auch wieder unterschiedliche Meinungen zu der Technik. Angemerkt wurde, dass die Technik diesmal wenig Anleitung gab, d.h. viele rätelten rum, was mit der Aufgabe genau gemeint war (einschließlich mir).

Anschließend haben wir ein Schreibexperiment gemacht, mit dem ich die Unterschiede zwischen Knowledge-Telling und Knowledge-Transforming beim Schreiben anschaulich machen wollten. Alle schrieben zuerst fünf Minuten einen Text zu „25 Jahre Viadrina“. Das Thema hatte ich gewählt, weil ich dachte, dass alle zumindest ein bisschen Ahnung davon haben, irgendwas dazu sagen können. Dann war eine Viertelstunde Zeit, um den Text umzuformen in einen Text einer bestimmten Textsorte und mit bestimmten Adressaten. Dazu sollte dann noch einmal fünf Minuten reflektiert werden und schließlich tauschten wir uns wieder zu zweit darüber aus, bevor wir in die große Runde gingen. Dabei ging es um den Versuch, das Erlebnis auf den gelesenen Text bzw. die gemalte Landkarte zu beziehen. Es gab noch ein wenig Diskussion, aber nicht sehr lebhaft. Ich beendete die Sitzung daher sehr pünktlich.

Reflexion

Zeitweise habe ich es heute wieder als schleppend und mühsam empfunden, die Diskussion in Gang zu bringen. Mein Eindruck ist, dass ich noch nicht die richtigen Fragen stelle. Oder sind die Texte so langweilig bzw. lassen so wenig Ansatzpunkt für Kritik? Vielleicht sollte ich das mal zu einer Schreibaufgabe machen, bzw. zu einer Lesetechnik: So viele Ansatzpunkte für Kritik und Widerspruch zu finden wie möglich. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich doch wieder vergleichsweise frontal saß? Ich war jedenfalls froh, dass ich diesmal auch selbst in die Zweier- bzw. Kleingruppenarbeit einbezogen war, dabei fühlte ich mich wohler als wenn ich nur dabei sitze. Auch lief das Gespräch wieder über Melden bzw. war vor allem an mich gerichtet. Es war irgendwie kaum möglich, Fragen aus den Leuten herauszulocken. Vielleicht sollte ich auch mal Zwischenfeedback einholen. Oder ich thematisiere das mal direkt. Oder ich mache eine Pro-Kontra-Diskussion. Oder mache ich mir einfach zu viel Gedanken? Für das nächste Mal werde ich mir noch konkretere Fragen überlegen. Oder? Nehme ich dann nicht doch wieder zu sehr die Rolle der Dirigentin ein? Vielleicht sollte ich die Gruppe Fragen generieren lassen (in Teams) und diese dann zur Diskussion nutzen lassen, aber die Teams dabei auch die Diskussionen moderieren lassen. Das muss ich mir noch genauer überlegen.

Ergänzend wird ja auch auf Mahara gearbeitet. Dabei fällt mir auf, dass die TN das recht unterschiedlich intensiv machen. Einige Portfolios sind sehr bunt und ansprechend, andere eher nüchtern und sehr knapp. Aber da ich dazu nichts weiter vorgegeben habe, akzeptiere ich es so wie es ist. Es ist jedenfalls schön, über Mahara noch ergänzende Einblicke darein zu bekommen, was die TN tun und denken.

Reflexion zur 4. Sitzung am 4.5.2016

Nachdem ja die vorletzte Sitzung etwas zäh war und ich bei der letzten selbst nicht dabei war, wollte ich diesmal weg von der "normalen" Diskussion des Textes. Wie im Vorbereitungsplan (linke Spalte) beschrieben, habe ich zunächst zu zweit diskutieren lassen, wie die Lesetechniken der letzten drei Hausaufgaben funktioniert haben. Eine wichtige Erkenntnis dabei war, dass es auch eine Kunst ist, gute Fragen an einen Text zu stellen und dass die Fragen - wie eine gute Fragestellung beim Schreiben - spezifisch und eng sein sollten. Ein weiteres Thema beim Lesen ist das Thema Pausen machen. Insgesamt ist mein Eindruck, dass es die TN gut finden, sich mit Lesetechniken zu beschäftigen und verschiedene auszuprobieren und dass es jedes Mal Leute gibt, die mit einer Technik etwas anfangen können und andere nicht (aber unterschiedlich, nicht immer die gleichen Leute).

Die Rückmeldung zur letzten Sitzung war, dass der Text viel zu lang war für die genutzte Technik des reziproken Lesens. Außerdem hatte ich nicht daran gedacht, dass vielleicht nicht alle den ausgedruckten Text mithaben würden. Ich würde beim nächsten Mal einen kürzeren Text oder nur einen Ausschnitt dafür wählen, aber es gerne nochmal probieren (mit Textvorrat).

Im Anschluss an diesen Austausch habe ich zusammengefasst, dass ein Leitthema der beiden vorigen Texte die Modellbildung war. Wir haben dann 3 Gruppen gebildet. Ich hatte ganz viel Bastelmaterial mit und die Aufgabe war, daraus ein eigenes Schreibprozessmodell zu machen. Ich habe dazu gesagt, dass es nicht um das perfekte Modell geht, sondern darum, den Prozess des Modellierens für den Austausch über die Texte zu nutzen.

Am Ende sind wir von Modell zu Modell gewandert und die Gruppen haben die Modelle vorgestellt. Diese waren alle drei ganz verschieden und alle schön bunt (siehe Fotos in der mittleren Spalte).

Ich hatte den Eindruck, dass diese Übung sehr gelungen war und allen Spaß gemacht hat. Ich habe selbst in einer Gruppe mit gemacht und fand, dass es sehr gut funktioniert hat, durch das Modellieren über den Text in Austausch zu kommen. Es war auch gut, dass wir danach durch den Raum wanderten, um die Modelle anzuschauen, dadurch war es nicht so statisch.

Auch habe ich diesmal die Sitzordnung so gemacht, dass ich weniger abseits von allen anderen saß und ich habe die Aufgabenstellung an die Tafel geschrieben, damit alle sie parat haben. In der Diskussionsleitung habe ich gemerkt, dass wir in unserer Gruppe neulich über "gute Fragen" gesprochen haben. So fiel mir sofort auf, als ich eine geschlossene Frage gestellt habe, und habe das gleich thematisiert und die Frage nochmal als offene Frage umformuliert.

Insgesamt habe ich mich heute viel stärker als Teil der Gruppe und Mitlernende wahrgenommen. Es lag sicher daran, dass ich total neugierig war zu hören wie letzte Sitzung gelaufen ist und daran, dass ich unbedingt auch selbst basteln wollte (hatte ich doch gestern schon so viel Spaß beim Einkaufen all der bunten Sachen :-) )

Ich schließe daraus für künftige Sitzungen, dass ich möglichst an den Gruppenarbeiten teilnehme und dass ich auf so Dinge wie Sitzordnung und Fragen weiter achten werde. Außerdem merke ich mir, dass es gut ist, auch mal anders als rein kognitiv ranzugehen an Texte. Kreativ sein ist gut. Allerdings war es sicher auch gut, dass dieser kreative Prozess am Ende stand, wir hatten die Modelle ja gut vorbereitet durch Lesetechniken.