Umsetzung der Gruppendynamik als Peertutor*in

Einflussnahme auf und Umsetzung von Gruppendynamik in der Praxis:

 Peertutor* innen als Leiter*innen der Tutoriumsgruppe

Auf Peertutor*innen kommt als Leiter*innen einer Gruppe eine wichtige Aufgabe zu. Einerseits stehen die Leiter*innen als ebenbürtige Personen – wie das Wort „peer“ verdeutlicht – vor der Tutoriumsgruppe, auf der anderen Seite verdeutlicht die Übernahme der Leitung auch zugleich eine hierarchische Positionierung. Die führende Person muss sich der Aufgabe stellen, eine positive Gruppendynamik zu schaffen ohne die Hierarchie zu sehr auszuspielen.

Der*die Peertutor*in muss sich bewusst sein, dass jede Gruppe ihre verschiedenen Entwicklungsphasen/ Entwicklungsprozesse durchläuft, welche die innere Dynamik steuern. Hier muss sich der*die Leiter*in bewusst sein, dass

„So wie jeder Mensch seine eigene Entwicklung durchmacht und seine eigene Geschichte hat, entwickeln auch Gruppen ihre eigene „Lebensgeschichte": Thema, Situation, Umfeld und vor allem die Persönlichkeit der Gruppenmitglieder sowie die Interventionen des Leiters sind Gründe für die Unterschiedlichkeit, mit der Gruppen Prozesse durchlaufen und weshalb jeder Prozess seine individuelle Eigenheit entwickelt“ (Langmaack/ Braune-Krickau 2010: 121).

Bestimmte Entwicklungsphasen sind aber abzusehen und sollten bei der Führung von Gruppen bedacht werden.

Peertutor*innen sollten genug Raum schaffen, um von einem „Ich“- zu einem „Wir“- Gefühl zu kommen, damit eine dynamische Balance entsteht. Hierfür gibt es verschiedene Methoden. Weiterhin sollte folgender Kreislauf immer wieder durchlaufen werden:

Aufbau von Akzeptanz und Vertrauen – Informationsaufnahme und deren Verarbeitung – Klärung von Beziehungen und Rollen – Zielfindung und Entscheidung – Sich organisieren zum gemeinsamen Tun- die Auswertung des Prozesses und Feedback

Widerholende Reflexionen erleichtern die Führung, da immer wieder über die Grundstimmung nachgedacht werden muss und die Möglichkeit zur Äußerung von Wünschen und Kritik gegeben wird.

Die Verinnerlichung des Eisbergsmodells hilft Peertutor*innen ebenfalls sich in ihrer Führungs- und Peerposition zu bewegen:

„Der Erfolg jeder Zusammenarbeit wird von dem Zusammenspiel sachlogischer und psychologischer (bzw. psychosozialer) Faktoren bestimmt“ (Langmaack/ Braune-Krickau 2010: 123).

Dem*der Leiter*in kommen also wichtige Aufgaben zu: Motivieren, Neugier wecken, Freude am Tun entstehen lassen, Kreativität fördern, Lust am Erfolg hervorrufen und Anerkennung schaffen und Sicherheit und Solidarität bieten. Zusätzlich sollte auf die Bedürfnisse aller eingegangen werden. Dies klingt erstmal sehr viel und nicht machbar. Das Stichwort ist jedoch Beobachten - beobachten, wie sich die Gruppe entwickelt, in welcher Phase sie sich befindet, ob Konflikte entstehen usw.

Der*die Leiter*in sollte aber nicht nur die Gruppe beobachten, sondern auch sich selbst, denn natürlich kann die Gruppe von der Leitung enttäuscht sein und daher eine negative Gruppendynamik entstehen. Eigene Reflexionen, Reflexionen der Gruppe zur Leitung oder auch mal das Abgeben der Führungsrolle sollten hier immer wieder im Vordergrund stehen.

Eine gute methodische Vorbereitung, das Kennen der einzelnen Schritte von Gruppendynamiken und Reflexionen (evt. mithilfe eines Logbuchs) sind Stichworte, die Peertutor*innen beachten sollten.