Unter die Lupe genommen: Drei Elemente der Gruppenarbeit

Besonders wichtig für die Dynamik einer Gruppe sind der Anfang und das wertschätzende Interesse für die Wahrnehmungen der anderen Gruppenmitglieder. Wichtige Elemente dafür sind der Einstieg, Feedbacks und die Auswertung.

EINSTIEG

WAS?
Hier begegnen sich vor allem die unterschiedlichen Erwartungshaltungen der Gruppenmitglieder. Je nach Situation und Ausgangslage, nach Aufgabenstellung und Kontext kommen die verschiedensten Persönlichkeiten zusammen. Im Rahmen eines Peer Tutoriums an der Universität beispielsweise können die Erwartungen und Zielsetzungen von Tutor*innen und Studierenden andere sein. Während ein*e Tutor*in vielleicht von allen Studierenden eine aktive Teilnahme erwartet und vor allem das Handwerk für die Praxis vermitteln möchte, ist den Studierenden möglicherweise das Bestehen einer Abschlussklausur erstrangig. Auch der emotionale Einstieg erfolgt individuell unterschiedlich, Gefühle wie Neugier und Vorfreude, aber auch Unsicherheit und Zweifel können sich breit machen (vgl. Theodor-Heuss-Kolleg 2009).

WARUM?

Der Einstieg in eine Gruppenarbeit erweist sich daher von besonderer Relevanz. Sachlich dient dieses Element der Gruppenphase (Forming) dazu, Ziele und Aufgaben der Gruppenarbeit zu diskutieren und festzulegen. Aber auch den Emotionen und Gedanken der Mitglieder sollte ausreichend Raum gegeben werden, besonders wenn es darum geht, Positionen der Gruppenmitglieder festzulegen und Kommunikations- und Verhaltensregeln des Miteinanders zu erarbeiten.

WANN?

Sobald sich die Mitglieder zu einer Gruppe zusammengefunden haben, erfolgt der Einstieg in den Gruppenprozess.

WIE?

Besonders in Bezug auf Peer Tutorien und längerfristig angelegte Gruppen (bspw. Projektgruppen) lohnt es sich, dem Kennenlernen und Austausch über Verhaltens- und Kommunikationsregeln ausreichend Zeit einzuräumen. Ein ausführlicher Einstieg kann besonders positive Auswirkungen auf das Arbeitsklima und die Motivation aller Beteiligten haben. In anderen Kontexten, wie einer zeitlich sehr begrenzten Gruppenarbeit (bspw. innerhalb eines Seminars oder einer Referatsgruppe) mag es vielleicht weniger Sinn machen, eine interaktive Methode für das Kennenlernen einzusetzen.

Eine Auswahl von Methoden zum Einstieg ist hier zum Download zusammengestellt.

Für den Austausch über Verhaltens- und Kommunikationsregeln können u.a. folgende Fragen von Bedeutung sein:

  • Wie möchten wir miteinander (auch sprachlich) umgehen?
  • Was muss gegeben sein, damit sich jede*r Einzelne wohl fühlt?
  • Wie äußern wir Kritik?
  • Wie bewerten wir Seitengespräche?
  • Wie bewerten wir Pünktlichkeit?
  • Wie äußern wir Redebeiträge?

 

FEEDBACK

nach König & Schattenhofer (2007)

WAS?

Feedback kommt von „to feed back“ und bedeutet im Wortsinn „rückkoppeln“. In Gruppenkontexten kann darunter also die Rück-Anbindung an die anderen Gruppenmitglieder verstanden werden. Wenn wir uns in Gruppenkontexten bewegen, bekommen wir ständig Rückmeldungen über unser Verhalten. Diese können sehr unbewusst und beiläufig passieren. Feedback zu geben und zu bekommen, ist eine bewusste, konkrete und persönliche Form der Rückmeldung über unsere Verhaltensweisen. Sie gibt Aufschluss darüber, wie Andere in der Gruppe unser eigenes Verhalten erleben, wahrnehmen, verstehen und interpretieren.

WARUM?

Alle nehmen Situationen unterschiedlich und perspektivisch wahr. Ein Feedback spiegelt den einzelnen Teilnehmer*innen ihr Verhalten wider, was Aufschluss über die Wahrnehmung der Anderen bringt. Dadurch wird das kollektive Wissen der Gruppe vergrößert und eine konsequentere Nutzung der Möglichkeiten in der Gruppe ermöglicht. Ob dann wirklich Veränderung folgen, hängt davon ab, ob diese gewollt und möglich sind. Feedbacks geben aber den Möglichkeitsraum für diese Veränderungen und zeigen Wertschätzung für die Wahrnehmungen und Empfindungen der Anderen. Somit stellen sie ein wichtiges Instrument für die Verbesserung und Entwicklung der Gruppendynamik dar.

WANN?

Feedbacks eignen sich zum Abschluss einer Arbeitsphase oder -einheit, nach bestimmten Methoden (wie Gruppenarbeiten, Referaten, etc.) und am Ende der gesamten Zusammenarbeit. Sie sind dadurch, dass sie unterschiedlich ausführlich gestaltet werden können, flexibel und auf Wunsch, wenn es die Zeit erlaubt, jederzeit einsetzbar. Auch Leiter*innen können und sollten sich regelmäßige Feedbacks einholen. Feedbacks können sich auf das Verhalten in sehr konkreten, kurzen Arbeitsphasen beziehen und auch einen Teil der Gesamtauswertung am Ende sein, in die dann das Verhalten in allen Arbeitsphasen und die Entwicklungen mit einbezogen werden können.

WIE?

Damit Feedback konstruktiv ist und das Arbeiten in der Gruppe wirklich verbessern kann, sollten sowohl Geber*innen als auch Empfänger*innen bestimmte Hinweise beachten (vgl. König 2007: 87-88.):

Feedback sollte...

...beschreiben und nicht moralisch,

...konkret und nicht allgemein,

...erbeten im Gegensatz zu aufgezwungen,

...klar und genau formuliert und nicht lang und diffus,

...angemessen des Bedürfnissen des*der Empfänger*in,

...zur rechten Zeit,

...nachprüfbar, sodass auch andere Mitglieder der Gruppe Stellung nehmen können.

Um Transparenz und Verständlichkeit zu gewährleisten, sollten drei Teile auseinander gehalten werden:

  • Die Beschreibung: „Ich nehme an dir (als Wirkung bei mir) wahr...“
  • Die Bewertung: „Das wirkt auf mich..., das finde ich...“
  • Den (Änderungs-)Wunsch: „Ich wünsche mir... für mich wäre wichtig, wenn...“

Hier ist es besonders wichtig, „Ich-Botschaften“ zu verwenden.

Empfänger*innen sollten sich (u.a.) folgende Fragen stellen:

  • Erlebe ich (zu) wenig oder (zu) viel Feedback?
  • Erbitte ich Rückmeldungen oder vermeide ich sie?
  • Neige ich dazu, mich schnell zu verteidigen und viel zu erklären?
  • Neige ich zu Gegenangriffen?
  • Akzeptiere ich Feedback unkritisch und ohne zu prüfen?

Hier werden die einzelnen Merkmale von Feedback aufgeschlüsselt und mit Beispielen unterfüttert. Es gibt auch einen Teil zu Ich-Botschaften.

Hier findet sich eine Auflistung von verschiedenen Methoden für Feedbacks zu verschiedenen Zeiten einer Lehrveranstaltung.

Weitere Methoden finden sich hier.

 

AUSWERTUNG

WAS?

Eine Auswertung betrachtet und bewertet u.a. Inhalte, Methoden und Durchführung der Veranstaltung oder der Gruppenarbeit.

WARUM?

Eine Auswertung dient der Verbesserung der Inhalte und Methoden einer Veranstaltung oder Gruppenarbeit. Ein*e Tutor*in, der*die in der Auswertung beispielsweie zurückgemeldet bekommt, dass die Methoden zu einseitig waren, kann für das nächste Tutorium mehr Variationen einplanen. Dazu ist eine möglichst genaue Rückmeldung nötig. Gleichzeitig dient eine Auswertung auch der Wertschätzung aller Teilnehmenden, weil signalisiert wird, dass auf die Meinungen bezüglich der Methoden und Inhalte Wert gelegt wird.

WANN?

Die Auswertung steht am Ende des Arbeitsprozesses (Adjouring/Re-Forming), typischerweise am Ende eines Tages (bei Mehrtagesseminaren) oder am Ende von großen Einheiten und am Ende der gesamten Zusammenarbeit.

WIE?

Eine Auswertung sollte immer konstruktiv und möglichst genau sein. Angaben wie „alles war toll“ oder „alles war blöd“ sind nicht hilfreich. Es geht darum, den anderen Mitgliedern bzw. der verantwortlichen Leitung eine hilfreiche Rückmeldung zu geben, mit der weitergearbeitet werden kann.

Ein Reader mit Methoden zu verschiedenen Zwecken finden sich hier.