Notiz (5)

Aber: wenn es ein „Wir“ gibt, gibt es dann nicht auch automatisch ein „die Anderen“? Wie gestaltet sich das Verhältnis von Gruppenmitgliedern zu Mitgliedern „anderer Gruppen“? Streits, Konflikte, Kriege – werden sie nicht zwischen verschiedenen Gruppen geführt? Rassismus – ist er nicht auch ein Produkt von Gruppenbildung? Und selbst in viel kleinerem Maße, etwa in Arbeitsgruppen, kennen wir es nicht auch dort allzu gut, dass sich zwischen verschiedenen Arbeitsgruppen Konkurrenzverhalten entwickelt, dass Informationen doch lieber nur an Mitglieder der eigenen Gruppe weitergegeben werden und den freien Job, den gebe ich auch lieber jemandem aus den eigenen Reihen...

Gruppen sind die Stützen des menschlichen Zusammenlebens. Und gleichzeitig sind sie die Risse, die die Gesellschaft spalten und an deren Kanten sich Konflikte, Ungleichheit und Diskriminierung entfalten. Diese Diskrepanz gilt es im Blick zu behalten, wollen wir die Dynamiken menschlicher Gruppenbildung verstehen.