Kollaboratives Peer Tutoring

Auch im Peer Tutoring spielt Collaborative Learning eine Rolle. Peer Tutoring-Maßnahmen gibt es mittlerweile an vielen Einrichtungen. Allerdings lassen sich zwei verschiedene Typen von Peer Tutoren unterscheiden: der Monitor-Typ und der kollaborative Typ.

Der Monitor-Typ stellt im Prinzip einen Lehrer-Ersatz dar. Meist handelt es sich hier um ausgewählte ältere Schüler oder Studenten, die von den Lehrern zum Tutor ernannt wurden, weil sie sich durch sehr gute Noten auszeichnen. Dies wird auch dem Tutee gegenüber kommuniziert. Hier gibt es also ein Hierarchiegefälle zwischen Tutor und Tutee. Ein gleichrangiger Austausch ist hier kaum möglich, da sich der Tutee unterlegen und minderwertiger gegenüber dem Tutor als Autoritätsperson fühlt.

Im Gegensatz dazu steht der kollaborative Typ. Der kollaborative Typ kann eher als "Freund und Helfer" verstanden werden, der auf gleicher Ebene mit dem Tutee kommuniziert. Er gibt keine Anleitungen in dem Sinne, dass er in seinem Wissen überlegen ist. Stattdessen findet ein Erfahrungsaustausch statt; Tutor und Tutee treten in einen Diskurs, in dem beide Meinungen berücksichtigt werden. Der kollaborative Tutor sollte seinem Tutee bewusst machen, dass er keine lehrerähnliche Autoritätsperson ist, sondern eher ein Kommilitone, der Ratschläge gibt. Seinen Tutee sollte er nicht als Schüler betrachten, sondern als ebenbürtigen Kommilitonen, der eigene Expertise mitbringt. 

Erfolgreiches Peer Tutoring heißt also, dass die Tutoren kollaborativ auftreten und nicht eine lehrerähnliche, überwachende Monitor-Funktion einnehmen. (Bruffee 1984: 83ff)